Ich mit den müden Füßen
Alfons Petzold
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Alfons Petzold
Texte eines Arbeiterdichters
Prosa. Ein Lesebuch.
Nachwort von Ludwig Roman Fleischer.
broschiert, 13 x 20 cm;
2002
184 Seiten
ISBN: 3-901960-17-1
Preis: 15,- € / 22,50 Sfr
Prosa. Ein Lesebuch.
Nachwort von Ludwig Roman Fleischer.
broschiert, 13 x 20 cm;
2002
184 Seiten
ISBN: 3-901960-17-1
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Arbeiter: ein sterbender Beruf. Dichter: ein Beruf auf Abruf. Was kann man sich im Zeitalter des flexiblen, den Erfordernissen der globalisierten Wirtschaft genügenden White Collar-Workers unter einem Arbeiter vorstellen? Was in der Ära der Books on Demand (bei all dem frühmakulierten Over-Supply) unter einem Dichter? Längst ist der Arbeiter in der pseudo-egalitären Diktion des Turbo-Wirtschaftswachstums-Evangeliums zum "Mitarbeiter" euphemisiert worden, der Dichter zum Author on Demand, zum Urheber auf Anfrage.
Alfons Petzold, geboren am 24. September 1882 in Wien, war wohl mehr ein Arbei-ter auf Anfrage und ein notwendigerweise flexibler Dichter. Er arbeitete auf Taglöh-nerbasis, um nicht zu verrecken. Er schrieb, um sich zu seinem Verliererlos zu verhalten, sich von ihm Kraft der Fantasie zu distanzieren. Ein schwer lungenkranker Metallschleifer, Bauhilfsarbeiter, Fabrikarbeiter, Laufbursche, Kellner, Fensterputzer, ruinierte er sich die angeschlagene Gesundheit weiter, bis zum bitteren Ende. Eine Bettgeher-Existenz, die jene fünf Heller, die das Recht auf einmalige Übernachtung in der Bruchbude einer Arbeiterfamilie kostete, oft einsparen musste, um sich einen Laib Brot kaufen zu können. Brot oder Nachtlager: das bedeutete entweder halb-wegs satt auf einer Parkbank schlafen oder mit knurrendem Magen in einem Bett. Das hieß: Um fünf Uhr früh auf den Taglöhnerstrich gehen und hoffen, unter Hunder-ten Berufenen einer der wenigen Auserwählten zu werden. Und für Alfons Petzold hieß es zudem: Im letzten Licht eines grauenhaften Tages auf einer Parkbank, in einer Wärmestube oder doch auf dem 5-Heller-Strohsack gegen das Verliererlos anzuschreiben.
Ohne die Hilfe der sozialistischen Arbeitervereine wäre das nicht möglich gewesen und man wäre widerstandslos vor die Hunde gegangen. Alfons Petzold hat sich aus der Wehrlosigkeit herausgeschrieben, in kristallklarer, oft schneidend scharfer Prosa, in Gedichten, Skizzen und Romanen. Am 26. Jänner 1923 starb er – 41-jährig – in Kitzbühel an seinem schweren Lungenleiden. Zeit, wieder einmal die Texte und den Menschen hinter dem Namen zu zeigen.
Leseprobe
Alfons Petzold
24.9.1882 in Wien geboren. Er war Sohn eines Arbeiters und mußte trotz gesund-heitlicher Schäden schwere Arbeit verrichten. Er begann eine Lehre in einer Metall-schleiferei, wurde mit 15 Jahren Bauhilfsarbeiter; später Fabrikarbeiter, Laufbursche, Kellner, Fensterputzer u.a. Petzold war schwer lungenleidend und starb am 26.1.1923 in Kitzbühel/Tirol.
Wichtigste Werke: Trotz alledem (Gedichte; 1910); Memoiren eines Auges (Skizzen 1911); Seltsame Musik (Gedichte 1911); Das ewige und die Stunde (Gedichte 1912); Erde (Roman 1913); Krieg (Gedichte 1914); Der stählerne Schrei (Gedichte 1916); Der feurige Weg (Roman 1918); Das rauhe Leben (Autobiographie 1920); Sevarinde (Roman 1923).
