Ludwig Roman Fleischer
12 x 19 cm
2004
152 Seiten
ISBN: 3-901960-25-2
Preis: 14,- € / 21,- Sfr
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In der Drogentherapiestation am Heimberg bereitet man sich auf Weihnachten vor. Die Entzogenen – entwöhnte Drogensüchtige – sollen in Schreib-, Töpfer- und Schmuckwerkstätten, sowie psychotherapeutischen Sitzungen resozialisiert werden. Das geht nicht ohne lächerliche Pannen und Missverständnisse ab. Dem Patientenpersonal (einer schwangeren Vamp-Madonna, einem Tiroler Papagallo, einem sich der Andropause nähernden Jungfilmer und vielen anderen) steht das Therapeutenensemble gegenüber (unter anderem ein krachlederner Therapie-Macho mit Vorliebe für schnelle Motorräder, ein entwurzelter jüdischer Hahnrei, ein verkrachter Künstler). Dazu kommen ein erfolgloser Romanautor und Schreibwerkstattleiter, ein alkoholischer Holländerpater der Ex-Achtundsechzigerszene, der einen nigerianischen Naturburschen zum katholischen Glauben bekehren will, und eine hoffnungslos überforderte und verklemmte Dissertantin. Die zentrale Figur aber ist der schlaflose Therapeut Heimeran, der eine Arbeit über Schlaflosigkeit schreibt und darin Parallelen zwischen Sucht und Religion zieht: Wenn Religion eine Droge für das Gottesvolk ist, dann ist im Drogenmilieu die Droge die Religion des Volkes der Gottlosen. Über allem waltet der Geist des Anstaltsleiters Modrian, den man – gottgleich – niemals zu Gesicht bekommt. In den diversen Therapieveranstaltungen tun sich Abgründe in den Biographien der Beteiligten auf, der Unterschied zwischen Patienten und Therapeuten verwischt sich immer mehr. Nach dem Absturz eines gewalttätigen und sexuell ausgehungerten Schützlings kommt es am Weihnachtsabend zu einer Katastrophe, deren Folgen durch die Geburt eines Quasi-Erlösers gemildert werden. Freilich, das Baby ist süchtig geboren und leidet daher vom ersten Atemzug an unter Entzugserscheinungen... Der Roman ist eine nur vordergründig komische Satire über die Allgegenwart der Sucht und die Müßigkeit, sie heilen zu wollen: Sucht ist Sehnsucht nach Sinn und Geborgenheit, den unerreichbaren Zielen menschlichen Strebens.
Ludwig Roman Fleischer
Geboren am 17. September 1952 in Wien, Matura 1971, danach Telephonist, Laborant, Chauffeur, Nachtwächter, Kinderbetreuer, Bankangestellter, Plakatkleber, Student der Anglistik und der Philosophie. 1979 bis 1982 Universitätsassistent für amerikanische Literatur in Wien, seit 1977 Lehrer. Nebenbei 1983 bis 1985 Amateurschauspieler bei der Gruppe Shake-Scene, Folkmusiker (1984 LP BAKADI, diverse Auftritte in Clubs und Cafes). Verheiratet, seit 1992 Vater eines Sohnes. Leitet seit 1996 eine Schreibwerkstatt an der Drogentherapiestation Mödling, Herausgabe zweier Anthologien der dabei entstandenen Patiententexte.
Ab 1986 Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und im ORF, 1990 Ernst Willner-Preis beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb, 1991 Buchprämie des Bmin für Unterricht und Kunst, 1992 Übersetzerprämie des Bmin f. Unterricht und Kunst, 1997 Erzählerpreis des Ostdeutschen Kulturrates Köln, 2000 Dritter Platz beim Haidhausener Werkstattpreis München.
