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Dorf der Seele
Ludwig Roman Fleischer

Erzählungen aus der Kärntner Umgebung

broschiert; 13 x 20 cm;

2005
133 Seiten
ISBN: 3-901960-30-9
Preis: 14,- € / 21,- Sfr

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Das Buch
In seinem „Haus am waldigen Seenockhang“ sitzt der mäßig erfolgreiche Erzähler Wickerl und versucht – mitten in der Umgebung – „zur Umgebung durch seine Schreiberei eine begreifende Distanz zu gewinnen.“ Seine Umgebungsgeschichten „berichten eigentlich von nichts als jener Gehirngegend, in der die äußere zu einer inneren Wirklichkeit umgelogen wird.“
Die Umgebung ist ein Kärntner Tal, in dem eine slawischstämmige Urbevölkerung sich kernig deutsch gebärdet und hauptsächlich von der Landschaftsvermarktung lebt. Und in der Tat hat die Umgebung auch einiges zu bieten, das jedes Touristen Herz höher schlagen lässt: den kastrierten Seenockriesen, der einst aus einem einzigen See deren zwei schuf, den Grabsaal Karls des Großen im Kaiserschlossgebirge, wo der gewaltige Herrscher mit seinen Rittern schlummert, um irgendwann zu erwachen und die Herrschaft über die EU zu übernehmen, den Urmenschen des Dorfes, dessen vorgeblich urzeitliche Überreste keine hundert Jahre alt sind, ein Asylantenheim, das eine geglückte Verschmelzung von Humanität und Geschäftssinn darstellt und einen protestantischen Kirchturm, den der Leibhaftige selber gebaut hat. Die Umgebungstaler sind eine höchst begabte, der Philosophie frönende Population: Da gibt es einen Gemeindebediensteten, der „es nicht verträgt, dass etwas nach sich selber ausschaut“, einen „Frauenfischer" von schwächlicher Figur, der Dutzende Damen verführt, ehe er seine Meisterinnen findet und impotent wird, einen direkten Nachfahren Hegels, der an der „Aufhebung der Umgebung“ arbeitet.
Fleischers Satiren zeichnen ein österreichisches Panoptikum, in all seinen Lügen ziemlich glaubwürdig, in gewisser Hinsicht liebens- und manchmal einfach verabscheuungswürdig. Wirklichkeit und Wahrheit korrespondieren nicht, entsprechen und decken einander nicht: sie existieren einzig und allein im Gemüt des jeweils Erzählenden, jenem „Dorf der Seele“, das jeder in sich trägt.


Ludwig Roman Fleischer

Geboren am 17. September 1952 in Wien, Matura 1971, danach Telephonist, Laborant, Chauffeur, Nachtwächter, Kinderbetreuer, Bankangestellter, Plakatkleber, Student der Anglistik und der Philosophie. 1979 bis 1982 Universitätsassistent für amerikanische Literatur in Wien, seit 1977 Lehrer. Nebenbei 1983 bis 1985 Amateurschauspieler bei der Gruppe Shake-Scene, Folkmusiker (1984 LP BAKADI, diverse Auftritte in Clubs und Cafes). Verheiratet, seit 1992 Vater eines Sohnes. Leitet seit 1996 eine Schreibwerkstatt an der Drogentherapiestation Mödling, Herausgabe zweier Anthologien der dabei entstandenen Patiententexte.


Ab 1986 Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und im ORF, 1990 Ernst Willner-Preis beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb, 1991 Buchprämie des Bmin für Unterricht und Kunst, 1992 Übersetzerprämie des Bmin f. Unterricht und Kunst, 1997 Erzählerpreis des Ostdeutschen Kulturrates Köln, 2000 Dritter Platz beim Haidhausener Werkstattpreis München.