»Wir fanden das komisch, wenn auch nicht zum Lachen.«
Ludwig Roman Fleischer
broschiert, 21 x 12 cm.
2010
248 Seiten
ISBN: 978-3-901960-52-9
Preis: 14,- €
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Ludwig Roman Fleischers legt einen neuen Erzählband vor, der sich als Fortsetzung seiner letzten, 2009 erschienenen Kurzgeschichtensammlung "Das Buch der Käuze" versteht. Wiederum thematisiert der Autor Außenseitertum, Anpassungsunfähigkeit und innere Emigration. Ein bekannter österreichischer Kurort veranstaltet Jahr für Jahr ein Kaiserfest, bei dem ein alternder Provinzmime den Monarchen spielt. Nach zwanzig Jahren ist ihm seine Paraderolle derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass er das Territorium seiner Gemeinde zum Kaiserreich Transaustrien adelt und es „als vom umgebenden Bundesgebiet unabhängig“ erklärt. Seine Untertanen glauben zuerst an einen guten Witz, doch Humbert der Erste meint es ernst. Da die EU gerade in der Krise ist und die Bedeutung regionaler Identität zur Priorität gemacht hat, erkennt sie Transaustrien als neues Mitglied an, und nun erklären auch Bayern, Korsika, das Baskenland und viele andere Regionen ihre Unabhängigkeit. Selbst der Beitritt der Türkei – aufgeteilt in solche souveräne Staaten wie das Kalifat von Iskenderun oder die Republik Europäisch-Istanbul – wird möglich. (Wie Bad Schrammeln die EU gerettet hat). In der Krypta von Santa Maria del Fiore wird der lebenslustige Renaissancemaler Giotto di Bondone nach einer Serie von Irrtümern und Verständigungsproblemen zum Heiligen (San Giottos Heiligsprechung). Ein grün-alternativer Makrobiotiker betätigt sich als Witwentröster und Mörder per Giftpilz, dessen Tat durchschaut, jedoch ungesühnt bleibt (Morbus Scheuermann). Der Hobbybergsteiger Amplatz nähert sich – Berg für Berg – mit Hilfe der Eintragungen in den verschiedenen Gipfelbüchern Kärntens einer vermeintlich jungen und hübschen künftig Angebeteten, die sich dann anlässlich der einzigen Realbegegnung als siebzigjährige Satirikerin erweist (Auf Touren). Judas erzählt in der Stunde vor seinem Selbstmord, wie es zu dem Verrat an Jesus gekommen ist, und es könnte eine moderne Geschichte von Terror und Folter sein. (Judas Iskariot). Ein schwuler Kärntner Passionsspiel-Judas schildert, wie sein geliebter Heilandmime aufgrund eines Verbrechens einen allzu realen Kreuzestod stirbt (Die Passion). Wirre, komische, tragikomische und traurige Narren finden sich in einer Prosa, in der Satire und Melancholie einander ergänzen.
Ludwig Roman Fleischer
Geboren am 17. September 1952 in Wien, Matura 1971, danach Telephonist, Laborant, Chauffeur, Nachtwächter, Kinderbetreuer, Bankangestellter, Plakatkleber, Student der Anglistik und der Philosophie. 1979 bis 1982 Universitätsassistent für amerikanische Literatur in Wien, seit 1977 Lehrer. Nebenbei 1983 bis 1985 Amateurschauspieler bei der Gruppe Shake-Scene, Folkmusiker (1984 LP BAKADI, diverse Auftritte in Clubs und Cafes). Verheiratet, seit 1992 Vater eines Sohnes. Leitet seit 1996 eine Schreibwerkstatt an der Drogentherapiestation Mödling, Herausgabe zweier Anthologien der dabei entstandenen Patiententexte.
Ab 1986 Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und im ORF, 1990 Ernst Willner-Preis beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb, 1991 Buchprämie des Bmin für Unterricht und Kunst, 1992 Übersetzerprämie des Bmin f. Unterricht und Kunst, 1997 Erzählerpreis des Ostdeutschen Kulturrates Köln, 2000 Dritter Platz beim Haidhausener Werkstattpreis München.
